Früher wurde Usedom die „Badewanne” Berlins genannt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatten die Berliner, die etwas auf sich hielten oder für etwas gehalten wurden, eine Sommerresidenz auf der Ostseeinsel oder waren zumindest Stammgast in einem der eleganten Hotels. Denn es gab eine direkte Zugverbindung zwischen Berlin und Usedom. Dabei fanden sich Namen wie Heinrich Mann, Johann Strauß oder Rudolf Virchow. Selbst der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., ankerte mit seiner Jacht gerne vor der Insel.
Heute kann man auf direktem Weg die Insel leider nicht mehr erreichen. Statt möglicher zwei Stunden bei einer Zuganfahrt auf direkter Strecke, ist man vier Stunden unterwegs. Die direkte Zugverbindung gibt es nämlich seit 1945 nicht mehr. Die Strecke führte über die 1933 erbaute und damals hochmoderne Hubbrücke Karnin. Diese wurde aber kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört, damit die Rote Armee nicht schnell nach Usedom übersetzen konnte. Seitdem steht nur noch der Mittelteil als Denkmal an die deutsche Ingeneurskunst in der Peene.
Die Bahn hatte 2007 einen Plan vorgelegt, die direkte Zugstrecke wieder aufzunehmen, aber da sich die Strecke vorraussichtlich nicht rechnen würde, nahm man ein Jahr später schon wieder Abstand von den Plänen. Dabei hätte diese Direktstrecke dem Tagestourismus wieder Aufwind geben können, denn viele Hauptstädter werden keine acht Stunden Bahnfahrt für einen Tag am Strand in Kauf nehmen, aber bei jeweils zwei Stunden Hin- und Rückfahrt lohnt sich die Anreise eigentlich schon wieder.
Zumindest auf Usedom ist nun eine schnellere Fahrt möglich. Bis zum 21. Dezember 2007 trennte ein Schlagbaum den deutschen Teil der Insel vom polnischen und nur Fußgängern und Radfahrern war der Übergang erlaubt. Inzwischen können jedoch auch Kraftfahrzeuge passieren, lediglich Lastwagen werden ausgesperrt, damit die Insel ein ruhiger Urlaubsort bleibt.
Bild: …trialsanderrors CC-BY-SA 3.0
Ähnliche Artikel: